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„Wir sind doch längst alle gleichberechtigt!“ – Wirklich?

Seit 1911 wird am 8. März weltweit der Internationale Frauentag begangen. Er steht für die Errungenschaften der Frauenbewegung und erinnert zugleich daran, dass echte Gleichstellung noch immer nicht erreicht ist. Auch mehr als 115 Jahre nach seiner Einführung ist der Weltfrauentag deshalb nicht nur ein symbolisches Datum, sondern ein wichtiger Anlass, bestehende Ungleichheiten sichtbar zu machen und sich klar für Geschlechtergerechtigkeit zu positionieren.

Gerade im öffentlichen Dienst scheint Gleichbehandlung auf den ersten Blick selbstverständlich: Entgelttabellen und Besoldungsordnungen regeln die Bezahlung transparent, Aufgaben und Stellenbewertungen folgen festen Kriterien. Doch Gleichstellung erschöpft sich nicht in formaler „equal pay“. Bewertungen werden von Menschen vorgenommen – und Menschen sind nicht frei von Rollenbildern und unbewussten Vorurteilen. Eigenschaften wie Durchsetzungsfähigkeit werden bei Männern häufig positiv bewertet, bei Frauen hingegen nicht selten kritisch ausgelegt. Hinzu kommt, dass Teilzeitbeschäftigte – und damit überwiegend Frauen – weiterhin geringere Aufstiegschancen haben. Von vollständiger Chancengleichheit kann also keine Rede sein.

Auch jenseits des Arbeitsplatzes zeigen sich strukturelle Ungleichheiten deutlich. Frauen erleben noch immer, dass ihre Gefühle oder Beschwerden nicht ernst genommen werden und biologische Unterschiede zur Abwertung genutzt werden. Die pauschale Unterstellung, Frauen seien „überemotional“, relativiert berechtigte Anliegen und trägt dazu bei, dass ihre Perspektiven weniger Gewicht bekommen. Gleichzeitig bestehen in der medizinischen Forschung weiterhin Lücken bei frauenspezifischen Gesundheitsfragen – ein Hinweis darauf, dass Gleichberechtigung auch im Gesundheitswesen noch nicht konsequent umgesetzt ist.

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Ein weiteres zentrales Thema ist der Umgang mit sexualisierter Gewalt. Noch immer werden Betroffene mit Fragen konfrontiert, die Verantwortung implizit verschieben – etwa durch die Unterstellung, Kleidung oder Verhalten könnten Übergriffe „provoziert“ haben. Diese Form der Täter-Opfer-Umkehr verkennt die Realität: Opfer sexualisierter Gewalt tragen niemals Schuld. Eine gerechte Gesellschaft braucht hier eine klare Haltung, die Betroffene schützt und Verantwortung eindeutig bei den Tätern verortet.

Auch bei der Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt zeigt sich, dass traditionelle Rollenbilder fortbestehen. Wenn Frauen beruflich Verantwortung übernehmen oder sich engagieren, wird noch immer häufiger hinterfragt, wer sich in dieser Zeit um die Kinder kümmert. Männern wird diese Frage deutlich seltener gestellt. Tatsächliche Gleichberechtigung bedeutet jedoch, dass Sorgearbeit und berufliche Entwicklung gemeinsame Aufgaben beider Elternteile sind – ohne einseitige Zuschreibungen oder moralische Bewertungen.

Besonders deutlich wird die bestehende Ungleichheit beim Blick auf die unbezahlte Care-Arbeit. Frauen wenden im Durchschnitt deutlich mehr Zeit für Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Hausarbeit und die sogenannte „mentale Last“ auf als Männer. Diese ungleiche Verteilung wirkt sich unmittelbar auf Erwerbstätigkeit, Einkommen und spätere Rentenansprüche aus und trägt damit zum Gender Pay Gap und zum Gender Pension Gap bei. Care-Arbeit ist keine „Hilfe“, sondern gemeinsame Verantwortung aller Haushaltsmitglieder. Solange diese Verantwortung nicht gleichberechtigt getragen wird, bleibt echte Gleichstellung unvollendet.

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Der Weltfrauentag 2026 erinnert uns daran, dass Gleichberechtigung kein abgeschlossener Prozess ist. Sie erfordert Aufmerksamkeit, Sensibilität gegenüber strukturellen Benachteiligungen und den klaren Willen, bestehende Ungleichheiten zu verändern. Geschlechtergerechtigkeit ist keine Frage einzelner Maßnahmen, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe, die uns alle betrifft – im Beruf, im öffentlichen Leben und im privaten Alltag.

Als komba Gewerkschaft setzen wir uns daher auch weiterhin jeden Tag mit Nachdruck für echte Gleichstellung, faire Chancen und eine diskriminierungsfreie Arbeits- und Lebenswelt ein.

 

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